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Grundlagen

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Der Weg von den ersten Symptomen bis zur Diagnose Morbus Fabry ist es oft lang und voller Leid. Hier finden Sie die Grundlagen zu Morbus Fabry.

Was ist Morbus Fabry?

Morbus Fabry ist eine angeborene, seltene Stoffwechselerkrankung. Sie wird durch einen Mangel oder ein völliges Fehler des Enzym alpha-Galactosidase A hervorgerufen. Dieses Enzym kommt in fast allen Zellen des menschlichen Körpers vor. Es ist für den Abbau natürlich im Körper vorkommenden Glykosphingolipide verantwortlich. Das sind Fettsubstanzen (Lipide), die am Aufbau von Zellmembranen beteiligt sind. Fehlt das alpha-Galactosidase A bzw. liegt ein Mangel vor, werden diese Substanzen nicht bzw. nicht genügend abgebaut. Es kommt zu einer Anreicherung der Glykosphingolipide und hier vor allem des Globotriaosylceramid (abgekürzt Gb3, oder auch GL-3) in den Zellen. Dies führt zu Ablagerungen in den Lysosomen. Das sind die Bestandteile von tierischen Zellen (Zellorganell), in den das Enzym alpha-Galactosidase A normalerweise aktiv ist. Daher bezeichnet man Morbus Fabry auch als lysosomale Speicherkrankheit.

Wie entsteht Morbus Fabry?
Morbus Fabry entsteht durch einen vererbbaren Gendefekt in dem Gen GLA. Dieses Gen kodiert die Erbinformation für die Produktion (Synthese) des Enzyms alpha-Galactosidase A in den Zellen. Ereignisse, die in einem Gen einen Defekt verursachen, nennt man Mutationen. Im Falle des GLA-Gens sind bis jetzt über 800 Mutationen bekannt. Die Mutationen haben einen der folgenden Folgen auf die Enzymsynthese:
  • es wird kein Enzym produziert
  • es wird unvollständiges, nicht funktionsfähiges Enzym produziert
  • das produzierte Enzym funktioniert nicht richtig
  • das produzierte Enzym kann nicht ins Lysosom gelangen
  • das produzierte Enzym ist nicht ausreichend aktiv
Es gibt zwei Typen von Morbus Fabry: die klassischen Form mit frühzeitig auftretenden Symptomen und die meist später im Leben eintretende Form, die milder verlaufen kann als die klassische Form.
Wie wird Morbus Fabry vererbt?
Das veränderte Gen bei Morbus Fabry befindet sich auf dem X-Chromosom. Das X-Chromosom ist eines der beiden Chromosomen, die das Geschlecht des Menschen bestimmen. Frauen haben zwei X-Chromosomen und Männer ein X- und ein Y-Chromosom. Dadurch gibt es Unterschiede, wie sich Morbus Fabry bei Frauen und Männern auswirkt, und wie die Krankheit vererbt wird. Männer vererben ihr X-Chromosom an ihre Töchter. Daher wird ein defekte Gen an alle Töchter eines erkrankten Mannes weitergeben. Da die Söhne das Y-Chromosom vom Vater erhalten, geben sie die Erkrankung aber nicht an ihre Söhne weiter. Frauen vererben immer ein X-Chromosom an ihre Kinder. Welches der beiden X-Chromosomen weitergeben werden, ist zufällig bedingt. Dadurch besteht eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent, dass eine Mutter das defekte Gen an ihre Kinder weitergibt. Dies ist unabhängig davon, ob es ein Sohn oder eine Tochter ist.
Wie wird Morbus Fabry festgestellt?
Bei einen Verdacht auf Morbus Fabry kann die Diagnose durch eine Laboruntersuchung bestätigt werden. In der Regel durch eine Blutprobe. Bei Männer wird die Aktivität des Enzyms alpha-Galactosidase A bestimmt. Bei betroffenen Männern ist die Enzymaktivität immer reduziert oder nicht nachweisbar. Zusätzlich sollte durch einen Gentest die genaue Mutation bestimmt werden. Frauen mit Morbus Fabry haben häufig eine normale Enzymaktivität. Daher muss bei ihnen immer ein Gentest gemacht werden. Eine Bestimmung des gespeicherten Fettstoffs Gb3 in Blut und Urin kann die Diagnostik ergänzen.
Die Anlage für eine Fabry-Erkrankung lässt sich bereits in der Schwangerschaft (ab der 15. Schwangerschaftswoche) feststellen. Dazu werden Gewebe- oder Flüssigkeitsproben aus der Umgebung des Fötus entnommen und die Spiegel des Enzyms alpha-Galaktosidase A bestimmt.
Was bewirkt Morbus Fabry?
Die Symptome von Morbus Fabry sind von Patient zu Patient verschieden. Bei der klassischen Form treten sie in der Regel früher auf als bei der nicht-klassischen Form. Hinzu kommt, dass nicht alle Patienten alle Symptome entwickeln. Im Allgemeinen gilt aber, dass sich bei der klassischen Form mehr Symptome zeigen, die auch stärker ausgeprägt sind. Außerdem treten sie bei Jungen meist früher auf als bei Mädchen. Die ersten Symptome treten meist bereits in der Kindheit auf (bis 16 Jahre):
  • starke Schmerzen in den Gelenken und als brennende Missempfindungen an den Händen
  • kleine dunkel-purpurrote Knoten und Flecken (Angiokeratome), überwiegend am Unterleib zwischen Bauchnabel und Knie
  • eine gestörte Schweißbildung, die zur Überempfindlichkeit gegenüber Hitze und Kälte sowie Überhitzung führen kann
  • Unterleibskrämpfe und Verdauungsstörungen
  • Schwindelattacken
  • Hörminderungen und Tinnitus
  • Müdigkeit (oft extrem)
  • Hornhautveränderungen ohne Sehkraftbeeinträchtigung
  • erste Auffälligkeiten bei Herz und Niere

Im frühen Erwachsenenalter kommen weitere hinzu (17 bis 30 Jahre):

  • Niere:
    – übermäßige Ausscheidung von Proteinen (Eiweiß) über den Urin (Proteinurie)
    – fortschreitende Niereninsuffizienz
  • Herz:
    – Vergrößerung des Herzmuskels der linken Herzkammer
    – Herzrhythmusstörungen
    – Angina pectoris
  • Zentrales Nervensystem:
    – Schlaganfall
    – TIA
Im späteren Erwachsenenalter kann es zu einer Verschlimmerung der Symptome kommen, z.B. Herzinsuffizienz und Dialysepflichtigkeit. Nicht selten sind Morbus Fabry Patienten bereits in jungen Erwachsenenalter nicht mehr oder nur teilweise arbeitsfähig.

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